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Dreifach gekauft: Käse für eine Frau, die nicht gern teilt

Katharina, 41 · Augsburg

Er hatte nur einen Satz geschrieben, und dieser Satz war schuld an allem. „Ich habe dein Profil dreimal gelesen und musste jedes Mal über den Punkt mit den Nachos lachen. Kommst du mit mir zum Stadtmarkt, bevor die Käsestände zumachen?“ Ich saß in meiner Wohnung nahe dem Rathausplatz, zwischen einem Stapel Steuerunterlagen und einer halb gegessenen Brezel, und grinste mein Handy an wie ein Teenager.

Ich bin Katharina, einundvierzig, und in meinem Profil steht unter anderem: „Ich bin nicht dünn, ich war es nie, und ich habe nicht vor, es für einen Mann zu werden. Wer damit ein Problem hat, wischt am besten gleich weiter. Wer Nachos mag, darf bleiben.“ Ich hatte das an einem Sonntagabend nach zwei Gläsern Rotwein geschrieben und beinahe wieder gelöscht. Der Mann, der antwortete, hieß Jonas, sechsundvierzig, Brauer bei einer kleinen Brauerei am Stadtrand, und er wohnte laut Profil zwanzig Radminuten von mir entfernt.

Ich schrieb zurück: „Ich komme. Aber ich bringe Hunger mit, und ich warne dich, ich teile nicht gern.“ Seine Antwort kam nach einer Minute: „Dann kaufe ich eben doppelt.“ Ich lachte so laut, dass die Nachbarin über mir gegen den Boden klopfte. Es war halb zwei, der Markt schloss gegen sechs, also blieb Zeit, mich zu entscheiden, was ich anziehe. Ich nahm das grüne Wickelkleid, das meine Hüften nicht versteckt, sondern feiert, dazu die kurze Lederjacke und flache Stiefel, denn Augsburger Kopfsteinpflaster verzeiht keine Absätze.

Am Stadtmarkt roch es nach geräuchertem Fisch, frischem Brot und nassem Stein. Er stand zwischen dem Gemüsestand und dem Käsemann, eine Papiertüte in der Hand, größer, als ich gedacht hatte, breit in den Schultern, mit einem grauen Bart, der ihm etwas Gemütliches gab. „Katharina“, sagte er, und es klang, als probierte er meinen Namen wie einen Schluck Bier. „Jonas“, sagte ich. „Du hast mir Käse versprochen.“

Er hielt mir die Tüte hin. Darin lagen zwei Sorten Bergkäse, ein Stück Camembert, Oliven und ein Sauerteigbrot, das noch warm war. „Ich habe nicht doppelt gekauft“, sagte er. „Ich habe dreifach gekauft. Bei dir muss ich mir Mühe geben.“ Ich lachte, aber es war ein anderes Lachen als sonst, eines, das tief aus dem Bauch kam und sich wie Erleichterung anfühlte. Viele Männer machen einen Bogen um das Thema, wenn sie eine Frau wie mich treffen. Sie reden über Wetter und Fußball, über alles außer dem, was sie eigentlich denken. Jonas ließ den Blick offen über meine Figur wandern und sagte: „Das Kleid steht dir. Ich hoffe, du weißt das.“

„Ich weiß es“, sagte ich. „Aber es ist trotzdem schön, es zu hören.“

Wir gingen mit der Tüte zum Rathausplatz, wo die Sonne auf dem Augustusbrunnen blitzte, setzten uns auf den Rand und schnitten mit seinem Taschenmesser das Brot auf. Er erzählte, dass er im Lechviertel aufgewachsen war und sein Vater ihm das Brauen beigebracht hatte, ohne je ein Wort darüber zu verlieren, wie stolz er war. „Bei uns wurde nicht geredet“, sagte er. „Bei uns wurde gemacht.“ Ich sagte: „Bei mir wurde nur geredet, und gemacht hat keiner was.“ Er lachte, und seine Augen zogen sich dabei zusammen.

Was mich an diesem Nachmittag überraschte, war nicht sein Humor, sondern seine Art zuzuhören. Er stellte Fragen und wartete auf die Antworten. Er wollte wissen, warum ich Steuerberaterin geworden war, obwohl ich eigentlich Malerin werden wollte, und ich erzählte von meinem Vater, der gesagt hatte, Kunst sei kein Beruf, sondern eine Ausrede. Ich gestand ihm, dass in meiner Kammer drei Leinwände standen, mit denen ich seit vier Jahren nichts anfing. „Dann malen wir sie zusammen fertig“, sagte er, und ich fragte mich, ob er das ernst meinte.

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Wir liefen die Maximilianstraße hinunter, am Herkulesbrunnen vorbei, an den Cafés, in denen die Leute in der Herbstsonne Aperol tranken, obwohl die Saison vorbei war. Er erzählte, wie er einmal ein Kürbisbock gebraut hatte und das ganze Fass hinterher nach Suppe schmeckte. Ich erzählte von einem Onlinedate, bei dem ein Mann mir eine Stunde lang von seiner Modelleisenbahn berichtet hatte und am Ende fragte, ob ich das auch so spannend fände. „Und?“, fragte Jonas. „Was hast du gesagt?“ – „Dass ich Modelleisenbahnen liebe. Dann bin ich nie wieder aufgetaucht.“

Über den Perlachplatz spazierten wir hinüber zur Fuggerei, dann am Stadtgraben entlang, wo das Wasser leise über die Wehre rauschte, und ich merkte, dass ich die Zeit vergessen hatte. Es wurde dunkel. Die Laternen gingen an, und die Fassaden bekamen dieses honigfarbene Licht, das Augsburg im Herbst so weich macht. Irgendwann standen wir vor dem Fischertor, und er blieb stehen. „Du hast gesagt, du teilst nicht gern“, sagte er. „Ich glaube, ich habe kaum etwas von meinem Brot abbekommen.“ Ich hielt ihm den Rest hin, den ich in der Jackentasche verwahrt hatte. Er nahm ihn, zögerte und legte ihn in meine Hand zurück. „Behalt ihn“, sagte er. „Ich habe schon bekommen, was ich wollte.“

Ich weiß nicht, ob es der Satz war oder das Licht oder die Tatsache, dass ich seit Monaten nicht mehr so viel gelacht hatte, aber ich trat auf ihn zu. Er roch nach Hopfen, Holzrauch und ein wenig nach Seife. Seine Hand legte sich an meine Hüfte, warm und ohne Eile, und blieb dort, als wüsste sie genau, dass sie hingehört. „Darf ich?“, fragte er. „Du hast schon gefragt“, sagte ich, „und die Antwort war Ja, seit du mir das Kleid gelobt hast.“

Er küsste mich, und der Kuss schmeckte nach Käse, Oliven und dem Bier, das wir zwischendurch getrunken hatten. Er war nicht gehetzt und nicht fordernd, sondern neugierig, genau wie im Gespräch. Ich spürte seine Finger im Stoff meines Kleides, und zum ersten Mal seit Langem dachte ich nicht darüber nach, wie ich von der Seite aussah.

Es war seine Idee, noch ein Bier zu trinken, und meine, dass wir es nicht im Lokal trinken. Wir kauften an einer Tankstelle zwei Flaschen und gingen zu mir, zehn Minuten entfernt, und ich hatte am Morgen zum Glück die Bettwäsche gewechselt. Auf der Treppe hielt er meine Hand, und im dritten Stock, wo das Licht immer kaputt ist, blieb er stehen und küsste mich noch einmal, langsam, gegen die kühle Wand gelehnt. Ich lachte in seinen Mund hinein, weil mir einfiel, dass die Nachbarin sicher schon am Türspion hing.

Was danach kam, gehört mir. Es genügt zu sagen, dass die Leinwände in der Kammer an diesem Abend das Einzige blieben, was ungestört war, und dass ich am nächsten Morgen mit einem Lächeln aufwachte, das sich nicht abschalten ließ. Er lag neben mir, den Arm schwer über meinem Bauch, und murmelte in mein Haar: „Ich glaube, ich habe für den Käse den falschen Preis bezahlt. Der war viel zu billig.“ Ich schlug ihm mit dem Kopfkissen gegen die Schulter, er lachte, und wir blieben eine halbe Stunde länger liegen, als wir beide gedurft hätten.

Zum Frühstück machte ich Rührei mit dem restlichen Bergkäse. Er saß in meiner Küche in einem T-Shirt, das ihm zu klein war, und aß mit einem Appetit, der mir schmeichelte. „Weißt du, was das Schönste an gestern war?“, fragte er. „Dass du nicht so getan hast, als wärst du jemand anderes.“ Ich sagte: „Das war der Plan. Wer mich will, muss mit dem ganzen Paket rechnen.“ Er sah mich an, halb lächelnd, halb ernst. „Ich rechne“, sagte er. „Und ich komme sehr gut mit dem Paket klar.“

Inzwischen sind wir seit sieben Wochen zusammen, und ja, wir haben eine Leinwand fertig gemalt. Sie hängt über meinem Sofa: ein Käsestand im Abendlicht, ein bisschen schief, ein bisschen zu bunt, mit zwei kleinen Figuren im Vordergrund, die sich eine Tüte teilen. Er hat auf die Rückseite mit Bleistift geschrieben: „Für Katharina, die nicht gern teilt.“ Ich habe darunter geschrieben: „Für Jonas, der dreifach kauft.“

Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, hätte ich seine Nachricht nicht beantwortet. Das Tolle an einer schnellen Entscheidung ist, dass sie dir keine Zeit lässt, dich kleinzureden. Ein Satz, eine Zusage, ein Markt am Nachmittag, und plötzlich steht man mit einem Mann am Fischertor, der einen ansieht, als wäre man das Beste, was ihm an diesem Tag passiert ist. Wenn du in Augsburg oder der Umgebung wohnst und diesen Blick von jemandem willst, dann schreib zurück. Es kostet dich nur einen Nachmittag, und mit Glück bringt er auch noch Käse mit.

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